| St. Ingbert. Andrea Fischer ist die Aufregung anzusehen. Immer wieder dreht und wendet die Weisgerber-Expertin des Museums Sankt Ingbert die Pappe in ihren Händen. "Kein Zweifel", sagt sie schließlich. "Es handelt sich wirklich um einen Original-Entwurf Albert Weisgerbers. Das ist etwas ganz besonderes." An sich sieht das Blatt, das Frau Fischer so sehr erfreut, recht unscheinbar aus. Der Zahn der Zeit hat nämlich schon ein wenig an den Ecken der Malpappe genagt. In der Mitte aber prangen, schwungvoll hingeworfen, drei Köpfe, denen jeweils eine große Zigarre aus den Mündern ragt. Geschickt vervollkommnet wird das Firmenzeichen schließlich durch den Schriftzug "FAM. Bennung, St.Ingbert". Das eigentlich aufregende Detail aber steht ganz winzig am unteren Rand: Der Buchstabe "W", dessen mittlerer Bogen durch einen Querstrich zum "A" wird, ergänzt durch die Zahlenkombination ,,03". So signierte Albert Weisgerber einst seine Arbeiten. Auch Herr Karmann und Frau Bennung Karmann, deren Firma Zigarren-Bennung, ihr Logo dem großen Maler verdankt, ist überrascht: "Es war ganz sicher einigen Leuten bekannt, dass Weisgerber unser Firmenzeichen entworfen hat. Dass aber das Original noch da ist, hat wirklich niemand gewusst." Wiederentdeckt wurde es nur durch einen großen Zufall. 2003 ist das Jahr, in dem sich Albert Weisgerbers Geburtstag zum 125. Mal jährt. Die "SZ" hatte aus diesem Anlass über die Verbindungen des Künstlers in seine Heimatstadt recherchiert. Dabei tauchte auch die Geschichte des Zigarren-Logos auf. Herr Karmann und Frau Bennung-Karmann boten in diesem Zusammenhang an, noch einmal einige alte Kisten zu durchstöbern, die seit Jahren ungeöffnet auf dem Dachboden des Geschäftshauses in der Kaiserstraße standen. Neben Klebezetteln (siehe Bild), Briefpapier mit dem Firmenzeichen und sogar einer Fronleichnams-Fahne mit den drei Köpfen, lag auch die Malpappe mit dem großen Logo in einer der Umzugskisten. Andrea Fischer schließlich bestätigte auf Nachfrage, dass es sich dabei um den Originalentwurf des Logos handelt. Was aber macht den Fund eigentlich so bedeutend? "Es sind sehr wenige Originale erhalten, die Albert Weisgerbers Schaffen als Gebrauchsgrafiker dokumentieren", sagt die Weisgerber-Expertin. Der Fund sei schon aus diesem Grund eine Seltenheit. Darüber hinaus müsse es einen besonderen Anlass gegeben haben, dass Weisgerber ausgerechnet für den Tabak-Händler seiner Heimatstadt das Logo entwarf, "denn eigentlich waren solche Arbeiten ihm zuWider." Bis zu einem geWissen Grad kann hier Frau Bennung-Karmann Aufklärung geben: "Albert Weisgerber war ein guter Freund des Hauses. Es ist schon vorstellbar, dass er aus reiner Freundschaft den Entwurf angefertigt hat." Überliefert sei in der Familie auch, dass der Auftraggeber unbedingt die Köpfe von Schwarzen im Logo haben wollte. "Die wurden eben damals von den Leuten mit Zigarren und Tabak verbunden", erklärt Herr Karmann. In der Tat war Albert Weisgerber 1903/04 mehrfach aus München nach St. Ingbert gekommen. 1903, im Entstehungsjahr des Logo-Entwurfes, ist die Mutter des Künstlers gestorben. Im Jahr darauf malt er die Biergarten-Bilder in der Grünen Laterne. Den Tabak hat der Meister immer geliebt. Das bezeugt etwa das 1918 erschienen Gedächtnisbuch. Zigarren-Bennung liegt außerdem schräg gegenüber seines Elternhauses eine enge Freundschaft der bei den Familien ist da durch aus denkbar.Der wiedergefundene Schatz jedenfalls wird in Zukunft wohl nicht mehr in einer Kiste schmoren. Die Familie Bennung-Karmann denkt darüber nach, ihn vielleicht dem Weisgerber Museum als Leihgabe zuüberlassen. Möglicherweise ist das Blatt zum ersten Mal im April bei der großen Weisgerber-Ausstellung zu sehen. Fischer bereitet die zur Zeit vor (wir berichteten). Für sie würde der Fund gut in das Konzept passen, obwohl grafische Arbeiten Weisgerbers darin eine Nebenrolle spielen: "Der Bezug zu seiner Heimatstadt St.Ingbert ist hier wirklich sehr schön." | |